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Textprobe:
Kapitel 3.5, Überblick der Geschäftsentwicklung zwischen Deutschland und Polen:
Deutschland ist seit vielen Jahren der mit Abstand wichtigste Handelspartner Polens. Umgekehrt ist Polen einer der bedeutendste Handelspartner Deutschlands in Mittel- und Osteuropa. 2006 stieg der Umsatz im bilateralen Handel um 26,4% auf 49,4 Mrd. EURO. Die deutsche Ausfuhr nach Polen betrug 2006 28,8 Mrd. EURO, die Einfuhr aus Polen belief sich auf 20,7 Mrd. EURO. Polen exportiert vor allem Maschinen, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, Lebensmittel und Möbel; deutsche Firmen führen insbesondere Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge, Chemie - und Kunststofferzeugnisse aus. 2006 rangierte Polen bei der deutschen Ausfuhr auf dem 10. Platz, Polen bei der deutschen Einfuhr auf der 13. Stelle. Auch im ersten Halbjahr 2007 stieg der bilaterale Handel um weitere 25% an.
Deutsche Investitionen in Polen:
In der Rangliste der wichtigsten Investoren liegt Deutschland mit ganz vorne.
Die kumulierten Direktinvestitionen in Polen von mindestens 1 Mio. Euro belaufen sich seit dem Systemwechsel 1989/ 1990 auf etwa 12 Mrd. Euro (davon im Jahr 2006 - 2,7 Mrd. Euro). Schwerpunkt größerer deutscher Investitionen in Polen sind: Automobilindustrie und Maschinenbau, Chemie und Pharma, Banken und Versicherungen, Groß- und Einzelhandel, sowie Energie.
Dazu kommen die statistisch nicht erfassten Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen von weniger als 1 Mio. Euro, insbesondere in der Grenzregion. Danach dürfte Deutschland in der Summe und in der Zahl nach das führende Herkunftsland ausländischen Kapitals in Polen sein.
Unter den neuen EU- Mitgliedsstaaten konnte Polen 2006 den höchsten Zufluss ausländischen Kapitals in Höhe von 12 Mrd. Euro (ohne Transitkapital; Schwerpunkte: Niederschlesien, Großraum Lodz, Wojewodschaft, Malopolskie, sowie 14 Sonderwirtschaftszonen im grenznahen Raum zu Deutschland) verzeichnen.
Deutsche Unternehmen sehen Polen als einen Markt mit beachtlichen Wachstumsraten und Ertragschancen.
Zu den Stärken Polens gehört das umfassende Regelwerk, die hohen Fördermitteln, die Größe des polnischen Binnenmarkts mit 38,2 Mio. Einwohner, die relativ niedrigen Steuersätze, die gute Ausbildung der Fachkräfte, das vergleichsweise günstige Lohnniveau für die meisten Fachkräfte, sowie die Existenz von Sonderwirtschaftszonen mit erheblichen Steuervergünstigungen.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit:
Deutschland unterstützt Polens wirtschaftlichen Aufholprozess auf vielfältige Weise.
Im Rahmen der EU, der Polen seit 2004 angehört, leistet Deutschland als größter Nettozahler einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung Polens.
Auch fördert Deutschland Polen über Programme der Weltbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie des Internationalen Währungsfonds. Vor dem EU-Beitritt Polens war Deutschland für die Heranführung Polens an die EU, die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Marktwirtschaft sowie die Förderung des Unternehmenssektors durch Umstrukturierung und Privatisierung eingetreten. Auch die Bundesländer haben sich in vielfältiger Weise engagiert. Hervorzuheben ist auch die regionale und grenznahe Zusammenarbeit. Eine regelmäßig tagende Regierungskommission, an der deutsche Bundesländer und polnische Wojewodschaften beteiligt sind, koordiniert die Aktivitäten.
Zugleich ist eine Reihe von Fachgremien tätig (unter anderem zum Ausbau der Grenzübergänge und zu gemeinsamer Planung von Verkehrswegen, Straßen- und Güterverkehr, Umweltrat, Oder-Probleme, Binnen- und Seeschifffahrt).
Der Wegfall der Personenkontrollen an der deutsch-polnischen Grenze zu Jahresende wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter erleichtern
Exportstruktur:
Angesichts der starken Exportorientierung vieler ausländischer Direktinvestitionen hat sich die polnische Ausfuhr seit den 1990er Jahren international umorientiert sowie quantitativ und qualitativ stark verändert. Fand 1989 der Austausch zu etwa 35% mit der damaligen östlichen Wirtschaftsgemeinschaft RGW statt, so werden heute zwei Drittel des Außenhandels mit der Europäischen Union abgewickelt.
Davon wiederum entfällt ein beträchtlicher Teil auf Deutschland. Die Exportquote der polnischen Wirtschaft ist kontinuierlich angestiegen und betrug im Jahr 2007 etwa 27% (zum Vergleich, die der Deutschen liegt bei 32%).
Das Wachstum des Außenhandelvolumens ging mit einer drastischen Veränderung in der Güterstruktur des Außenhandels einher. Bei den Exporten dominieren inzwischen eindeutig Güter des verarbeiteten Gewerbes, während der Anteil an Primärgütern stark geschrumpft ist. Nahrungsmittel konnten noch ein bestimmtes Gewicht halten, während die Ausfuhr von Rohstoffen und mineralischen Brennstoffen ihre ursprüngliche Bedeutung fast vollständig eingebüßt haben.
Der starke Bedeutungszuwachs der Industrieexporte bezieht sich vor allem auf die Ausfuhr von Fahrzeugen, elektronischen und elektrotechnischen Produkten sowie Erzeugnisse der Maschinenbauindustrie. Der Trend in Richtung technologisch anspruchsvoller Exportgüter ist eindeutig. Mit ausländischem Kapital, oft von Grund auf errichtete Firmen, so vor allem im Automobil- und Elektroniksektor, haben wie bereits erwähnt einen sehr hohen Anteil am polnischen Exporterfolg. Inzwischen ist der Export nach der Inlandsnachfrage und den Investitionen nur noch das dritte Standbein des Wirtschaftsbooms. Noch vor drei Jahren war dies umgekehrt. Allerdings konnte der Export 2006 mit einer Zuwachsrate von 23% fast den Spitzenwert 2005 (25%) erreichen. Deutschland ist in der Exportstatistik seit Jahren führend; allerdings hat sich der Anteil am Ausfuhrvolumen 2006 leicht auf 27,2% (2005: 28,4%) verringert.
Importstruktur:
Die Importstruktur ist geprägt vom Bedarf der polnischen Industrie an qualitativ hochwertigen Vorprodukten und der starken Nachfrage nach insbesondere langlebigen Konsumgütern und Investitionsgütern. Dementsprechend sind Maschinen und Transportmittel auch beim Import die am raschesten wachsende Warengruppe:
Ihr Anteil stieg zwischen 1995 und 2003 von 29,9% auf 38,0%.
Beim Import hat Deutschland seinen Stellenwert als Polens wichtigster Handelspartner 2006 mit 24% behaupten können. Dahinter folgten Russland mit 9,7%, Italien mit 6,8% und China mit 6,1%.
Polen importierte 2006 aus Deutschland laut des polnischen Wirtschaftsministeriums vor allem Erzeugnisse der Elektro- und Maschinenbauindustrie, auf die ein Anteil von 41,85% entfiel. Produkte der Chemieindustrie folgten weit ab mit 20,53% vor solchen der Metallindustrie (15,95%), Holz und Papier (5,38%), Agrarprodukten und Nahrungsmitteln (4,41%), Mineralprodukten (3,83%), Erzeugnissen der Leichtindustrie (3,63%), Keramik (1,86%), Leder und Waren (0,42%) sowie Sonstigen (2,14%).
Zu den deutschen Lieferprodukten mit den größten Zuwächsen zählten Erze sowie Schlacken und Aschen (+253,2%), Getreide (+252,1%), Kupfer und Waren (+236,8%), Zink und Waren (+212,6%) sowie Teppiche und andere Fußbodenbeläge aus Spinnstoffen (+192,3%).
Polen weist derzeit ein relativ hohes Defizit in seiner Zahlungsbilanz aus.
Hauptgrund: Die Importnachfrage entwickelt sich angesichts hoher Investitionen schneller als die Exporte. Viele dieser Investitionen stärken allerdings die polnische Exportwirtschaft, so dass sich Wachstumseffekte mittelfristig auch auf der Ausfuhrseite niederschlagen sollten.
Kurzfristig aber könnte sich das Zahlungsbilanzdefizit von voraussichtlich etwa 4,5% (Ende 2007) sogar noch um bis zu 3 Prozentpunkte ausweiten (bis Jahresende 2008).
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